" Der Mutterliebe zarte Sorgen ..."
Am 12. Mai ist es wieder soweit: Muttertag! Männer
schenken Blumen, Kinder kochen und der Abwasch bleibt bis zum nächsten Tag
stehen. Den meisten Frauen ist der Brauch egal.
Wenn die "teure Gattin" und "treue
Mutter" nicht wäre, verwaist das Heim, meinte bereits Friedrich Schiller
(1759-1805). Nicht umsonst gehört "Das Lied von der Glocke" bis weit
ins 20. Jahrhundert zum festen Bestandteil des europäischen Bildungssystems. Um
die Rolle der Frau in der Gesellschaft aufzuwerten, wurden Heim und Herd
idealisiert. Mütter sind nicht nur Putzfrauen und Gouvernanten, sondern auch
für das Schöne, Dekorative und nebenbei auch schon mal für die Pantoffeln
zuständig.
Der Brauch ist in den USA enstanden
1907 setzte sich Ann Jarvis (1864-1948) - die Tochter
eines Methodistenpredigers - für die Ehre ihrer verstorbenen Mutter ein. Diese
hatte elf Kinder und engagierte sich bereits für die Rechte der Frauen. Am 8.
Mai 1914 erklärte der amerikanische Kongress den Muttertag zum offiziellen
Staatsfeiertag. Mit Werbekampagnen der Floristenbranche und tatkräftiger
Unterstützung der Heilsarmee kam dieser Brauch auch nach Kanada, Australien und
Europa.
Mutterkult und "Morgenfeiern"
Seit 1922 findet der Muttertag auch in
Deutschland statt. Den Nationalsozialisten war er willkommener Anlass, die
Mutterrolle zu verherrlichen. "Dem Mann der Arbeitsplatz - der Frau Heim,
Herd und Kinder", lautete die Devise. Das vom NS-Staat ausgelobte so
genannte "Mutterkreuz" wurde knapp fünf Millionen Mal verliehen. Der
"Wille zum Kind" war charakteristisch für den Mutterkult. Darüber
hinaus schrieb die Parteiführung ab 1942 zum Muttertag so genannte
"Morgenfeiern" mit festem Rahmenprogramm vor.
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